Love, Sex and Aripiprazole
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Ein Wort scheint in dieser Kombination in die falsche Gesellschaft geraten zu sein. Liebe und Sex – so weit, so gut. Aripiprazol auszusprechen braucht etwas mehr Mühe. Es klingt nach etwas aus einem Beipackzettel, den man wieder zusammenfaltet, zurück in die Schachtel steckt und möglichst nicht noch einmal liest.
Aber in meinem Leben vertragen sich diese Wörter ziemlich gut.
Ich liebe, wünsche mir Nähe, arbeite, mache Pläne. Und ich nehme Medikamente. Manchmal zeichne ich etwas Lustiges. Manchmal kümmere ich mich um Rechnungen. Das Leben lässt sich nicht sauber aufteilen: hier der Mensch, dort seine Gefühle und irgendwo weit davon entfernt eine Diagnose.
Ich habe eine bipolare Störung. Vor einigen Jahren kam ich während einer manischen Episode auf eine geschlossene psychiatrische Station. Zeitweise wurde ich auf einem Bett fixiert. Es ist schwierig, davon zu erzählen, ohne dass die Geschichte entweder beängstigend klingt oder zu einer Lektion für andere wird. Beides ist nicht meine Absicht. Es ist mir passiert. Ich habe Hilfe bekommen, und diese Erfahrung gehört seitdem zu meinem Leben.
Als ich dort lag und mich nicht bewegen konnte, stellte ich fest, dass ich mich trotzdem frei fühlen konnte. Ich war immer noch ich selbst. Später entstand daraus der Comic Still Free.
Aber nach dem Krankenhaus ging das Leben weiter. Und damit kam eine andere Frage: Wie sieht man sich selbst, wenn man weiß, dass einem so etwas passieren kann?
Ich kenne diesen Drang, sich ständig zu verbessern, bis man sich endlich das Recht verdient hat, mit sich zufrieden zu sein. Früher habe ich wochenlang an einem einzigen Buchstaben einer Schrift gefeilt. Es gab immer etwas zu korrigieren. Irgendwann wurde mir klar, dass ich einem Bild hinterherlief, das nur in meinem Kopf existierte. Es würde nie eine letzte Korrektur geben.
Mit sich selbst kann man genauso umgehen. Warten, bis man stabil genug ist, erfolgreich genug, bis man sich selbst richtig versteht. Bis alles verschwunden ist, was einem anderen Menschen vielleicht schwer zu erklären wäre. Sich erst dann erlauben, Nähe zuzulassen.
Ich möchte nicht länger warten.
Ich möchte sagen können: Das ist mir passiert. Diese Medikamente nehme ich heute. Manchmal ist es schwierig. Ich habe aber auch Wünsche, Humor, meine Arbeit und Interesse am Leben. Das alles existiert gleichzeitig, und ich werde keinen Teil davon weglassen, nur damit ein ansprechenderes Bild von mir entsteht.
Deshalb gehört auch Sex in diese Wortkombination. Ohne ihn wird das Gespräch schnell ein bisschen zu gesittet: Ein Mensch mit einer Diagnose bekommt Mitgefühl, gute Besserung gewünscht und Anerkennung für seine Stärke. Aber dieser Mensch hat auch einen Körper. Vielleicht wünscht er sich Berührung, Lust, Zärtlichkeit und das Gefühl, begehrenswert zu sein. Ich möchte nicht mein ganzes Leben auf die Rolle des Genesenden festgelegt werden.
Intimität bedeutet für mich, mich so zeigen zu dürfen, wie ich bin. Das kann Angst machen, besonders wenn man Dinge über sich erfahren hat, die man lieber nicht gewusst hätte. Aber ich möchte keine Beziehungen, die davon abhängen, dass ich für jemand anderen ständig eine vorzeigbare Version von mir aufrechterhalte.
Gleichzeitig erwarte ich nicht, dass die Liebe die Arbeit meiner Ärztin übernimmt. Der Mensch an meiner Seite hat ein eigenes Leben, eigene Grenzen und das Recht, auch einmal müde zu sein. Ich schätze Unterstützung, bei der ich um Hilfe bitten kann und eine ehrliche Antwort bekomme. Manchmal sieht sie ganz alltäglich aus: jemand neben mir, ein gemeinsames Frühstück, ein Gespräch über etwas anderes als mein Befinden.
Aripiprazol ist ein konkretes Wort aus meinem Alltag. Ich könnte es durch etwas Poetischeres ersetzen, aber dabei ginge ein Stück Ehrlichkeit verloren. Zu meinem Leben gehört der Name eines Medikaments. Es gibt keinen Grund, so zu tun, als wäre es anders.
Ich sehe meine Krise nicht als notwendigen Preis dafür, Kunst zu machen. Ich arbeite gern, wenn ich eine Zeichnung fertigstellen, etwas schlafen und am nächsten Tag daran weiterarbeiten kann. Es gibt noch vieles, das ich machen möchte.
Love, Sex and Aripiprazole bringt mich zum Lächeln, weil die Kombination so ungewöhnlich klingt. Für mich ist sie Alltag. Medikamente zu nehmen gehört dazu. Genauso wie jemanden zu begehren, jemanden zu lieben und an einer Zeichnung weiterzuarbeiten, die noch nicht fertig ist.