Die Geschichte hinter Capitalis Amoris
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Ich mochte Buchstaben schon immer. Lange bevor ich Design studiert habe. Als Kind habe ich bekannte Logos abgezeichnet und sie in einer Art Skizzenbuch gesammelt. Einfache Formen, Gegenformen. Irgendetwas daran hat mich schon damals fasziniert: wie einzelne Zeichen plötzlich zu einem Wort werden.
Als ich United Love gegründet habe, wusste ich von Anfang an eine Sache: Die Marke sollte ihre eigene Stimme haben. Dazu gehörte auch die Schrift.
Es gibt Tausende wunderschöne Schriften. Ich benutze viele davon in meiner Arbeit. Aber jede Schrift bringt ihre eigene Geschichte und ihren eigenen Charakter mit. Manche wirken kühl. Andere elegant. Wieder andere laut. Manche sind inzwischen so vertraut, dass man sie kaum noch wahrnimmt. Keine davon fühlte sich nach United Love an.
Ich wollte etwas Zeitgenössisches, aber nichts Modisches. Minimalistisch, aber nicht steril. Ruhig, aber mit genug Charakter, dass man die Schrift wiedererkennt, ohne genau sagen zu können warum. Ein paar kleine Unregelmäßigkeiten gehören für mich einfach dazu. Winzige Details, fast unsichtbar. Gerade genug, um daran zu erinnern, dass diese Buchstaben einmal von einem Menschen gezeichnet wurden.
Mit der Zeit wurde die Schrift genauso Teil der Marke wie das Logo oder die Illustrationen. Heute ist United Love im wahrsten Sinne des Wortes eine Custom Typography Brand: Jede Botschaft wird in einer Schrift gesetzt, die ausschließlich für diese Marke entstanden ist.
Jeder neue Buchstabe beginnt bis heute auf dieselbe Weise. Mit einem Bleistift. Meistens zeichne ich zuerst nur ein paar wenige Zeichen. Die meisten Schriftgestalter kennen das Wort hamburgefonstiv. Ich mag es aus zwei Gründen. Erstens beginnt es mit Hamburg – genau wie United Love. Zweitens enthält es fast alle wichtigen Proportionen und Buchstabenabstände, die man braucht, um eine Schrift zu beurteilen. Wenn diese Buchstaben zusammen funktionieren, folgt der Rest des Alphabets meistens ganz von allein.
Danach wandert die Zeichnung in den Font-Editor. Von dort an besteht die Arbeit hauptsächlich aus kleinen Korrekturen. Bézier-Kurven. Abstände. Seitenlager. Eine Kurve ein bisschen nach links. Eine andere etwas flacher. Exportieren. Drucken. Noch einmal anschauen. Wiederholen. Der größte Teil dieser Arbeit passiert in einem Maßstab, den später kaum jemand bewusst wahrnehmen wird.
Die erste Version bestand nur aus einem Schriftschnitt. Für T-Shirts funktionierte das wunderbar, weil die meisten Botschaften kurz sind. Als ich aber anfing, längere Texte zu schreiben, merkte ich, dass der normale Schnitt nicht mehr ausreichte. Längere Sätze brauchten etwas mehr Dichte, ohne dabei schwerer zu wirken.
Also entstand ein schmaler, fetter Begleiter. Nicht um lauter zu werden, sondern damit längere Texte angenehmer zu lesen sind, ohne ihren Rhythmus oder ihren Charakter zu verlieren.
Rückblickend wurde daraus fast unbemerkt ein Projekt des Independent Typeface Design, obwohl ich während der Arbeit nie so darüber gedacht habe. Ich wollte einfach eine Schrift zeichnen, die sich ehrlich anfühlt.
Der Name kam ganz von selbst, nachdem die ersten Buchstaben entstanden waren:
Capitalis Amoris.
Wörtlich:
Die Großbuchstaben der Liebe.
Wer eigentlich nach Premium Streetwear Fonts sucht, landet vielleicht irgendwann hier. Capitalis Amoris wurde nie entworfen, um jemanden zu beeindrucken. Die Schrift soll hinter der Botschaft verschwinden und still ein Teil von ihr werden. Ich glaube, ein schöneres Kompliment könnte ich einer Schrift kaum machen.